Umweltratschlag am 27./28.06.2009 in Gelsenkirchen
Forum „Lebensnaher Ausweg aus der Krise – kommunale
Selbstversorgung“
Dipl.-Jur. Nina Hehn, München und Dipl.-Psych. Dr.
Rainer Gunkel, Suhl/Thüringen
In unserem Forum haben wir uns der Vision einer Zukunft
in regionaler Selbstversorgung zugewendet. Warum?
Zum einen wird die drohende Umweltkatastrophe dem
Wachstum unserer fossilen Wirtschaft Grenzen setzen. Zum anderen naht der
Ressourcenschwund: Durch knapper werdende Ressourcen und wachsende Nachfrage
insbesondere aus Schwellenländern wie China oder Indien wird vor allem der
Ölpreis in naher Zukunft ansteigen und zwar stetig, solange bis sich Öl
zu einem reinen Luxusgut entwickelt haben wird.
In welchem Maß die Verfügbarkeit eben dieser
Ressourcen Basis unserer alltäglichen Lebensweise ist, wird uns normalerweise
nicht bewusst. Sind wir fähig, uns auf
das Schwinden der Ressourcen vorzubereiten, d.h. uns aus unserer
Abhängigkeit speziell vom Öl , von Ressourcen allgemein zu lösen?
Das Mammutprojekt „DESERTEC“ zur Energieversorgung
Deutschlands, ja, Europas mittels Solarstrom aus Nordafrika wurde kritisch
diskutiert. DESERTEC zementiert die Monopolstellung der Energieriesen. Zudem
beruht das Projekt auf der Potentiallüge, die hiesigen erneuerbaren Energien
seien nicht ausreichend. Das Gegenteil hat die kürzlich stattgefundene Kasseler
Konferenz „100% Erneuerbare Energien“ bewiesen, wo 99 deutsche Kommunen und
Landkreise konkret vorgestellt haben, wie sie innerhalb von 20 Jahren zu einer
Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien kommen können.
Die Lösung liegt vorrangig in dezentraler
Energieversorgung unter Nutzung des regionalen Potentials an erneuerbaren
Energien und nur ausnahmsweise in zentralisierten Großprojekten.
Um wirklich resilient, d.h. widerstandsfähig zu
werden im Hinblick auf das Leben NACH dem Öl und anderen Ressourcen, benötigen
wir ein ganzheitliches Konzept für eine andere Lebensweise. Wir können den
Gedanken zu denken lernen, daß wir die zentralisierte Massenproduktion von vielfach
überflüssigen Sachen genauso wenig brauchen wie die transportintensive
Fremdversorgung. Wir können uns auf neue Art selbst versorgen!
Das Tranisition Town Konzept stellt hierfür eine Art
Dach dar, unter dem der Region entsprechende Projekte wie zum Beispiel ein
eigenes Energieunternehmen, eine Regionalwährung oder das sog. Garden Sharing
(Garten-Teilhabe) u.v.a. verwirklicht werden können. Ziel ist langfristig, die
Region durch weitgehende Selbstversorgung bei kluger Nutzung des
wissenschaftlich-technischen Potentials unabhängig und krisenfest zu machen
Das Konzept ist überall umsetzbar. So zeigt
beispielsweise auch die Transition Town Initiative in Berlin
Kreuzberg/Friedrichshain, wie die Realisierung in einer Großstadt aussehen
kann.
Die Transition Idee verbreitet sich rasend schnell.
Das erwies sich auch in unserem Forum, als uns eine Teilnehmerin aus den
Niederlanden über die dortigen zahlreichen TT-Initiativen berichtete. Doch
nicht nur dort, überall rund um den Globus sprießen sie aus dem Boden.
Das Transition Town Konzept ist eine neue Art
Globalisierung, eine stille Revolution, deren Stimme laut genug werden möge, um
auf der ganzen Erde gehört zu werden.
Mehr Infos gibt’s unter folgenden Adressen:
www.transitiontowns.org
www.totnes.transitionnetwork.org
http://energiewende.wordpress.com
www.transitiontowns.org/Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg
Das Buch „Energiewende – das Handbuch. Anleitung für
zukünftige Lebensweisen“ von Rob Hopkins ist beim Zweitausendeins-Verlag (2008)
erhältlich.
Und falls Ihr mit uns Kontakt aufnehmen wollt:
Dr. Rainer Gunkel
Tel: 03681-423984
Nina Hehn
Tel: 0162-290 250 1